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Der Dorfrundgang: vierzig Stationen, an denen Krippen erzählt

Der Dorfrundgang: vierzig Stationen, an denen Krippen erzählt

Krippen hat keine Sehenswürdigkeit, für die man Eintritt zahlt. Es hat stattdessen etwa vierzig Stellen, an denen sich erklären lässt, warum der Ort so aussieht, wie er aussieht. Genau dafür gibt es den digitalen Dorfrundgang: Handy raus, Station auswählen, lesen. Kostenlos, ohne Anmeldung, auf Deutsch, Englisch, Tschechisch und Polnisch.

Die schönste Station ist gleich die verwirrendste. Krippen hat einen Marktplatz. Ein Dorf mit Marktplatz, das ist eine Merkwürdigkeit, und sie hat einen Grund: 1445 hieß der Ort Cruppyn, ein Stetchyn, 1548 das Stedtlein Krippen. Er durfte zwei Jahrmärkte abhalten. Das Privileg ging im Dreißigjährigen Krieg verloren, der Name blieb.

Woher der Wohlstand kam, steht ebenfalls im Rundgang. Elbhandel zwischen Böhmen und Meißen, Getreide, Holz, Salz und Steine. Dazu Schiffbau, Mühlen, Steinbrecherei, Fischerei, Imkerei und eine Brauerei. Landwirtschaft spielte am Hang kaum eine Rolle. Das Wappen zeigt bis heute ein Segelschiff, so wie die Wappen von Wehlen und Schandau.

Am Krippenbach standen acht Mühlen, alle mit oberschlächtigen Wasserrädern. Der Bach entspringt bei den Drei Königshörnern nahe Děčín und fällt auf fünfzehn Kilometern rund 350 Meter ab. Die Grundmühle mahlte ab 1572 Getreide, wurde 1889 zur Steinsäge, fertigte im Ersten Weltkrieg Geschosskörbe und später Lederfett, weshalb sie im Dorf Schmierbude hieß. 1945 brannte sie ab.

In den Sandsteinbrüchen arbeiteten Bruchmeister, Hohlmacher, Hacker, Spitzmaurer und Räumer. Um 1900 waren allein innerhalb der Krippener Ortsgrenzen achtzehn Brüche registriert. Der Steinstaub brachte die Silikose mit sich, viele Steinbrecher wurden keine vierzig. Die Rutschbahnen, auf denen die Blöcke zur Elbe geschlittert wurden, sind am Haltepunkt Krippen teilweise noch zu sehen.

Eine Station gilt einem Mann, den kaum jemand kennt, obwohl seine Erfindung jeden Tag durch Millionen Hände geht. Friedrich Gottlob Keller, Webermeister und Blattbinder, lebte ab 1853 in Krippen. Er schliff Holz an einem rotierenden Sandstein und stellte daraus bedruckbares Papier her. Der Holzschliff machte Zeitungen und Bücher bezahlbar. Reich wurden andere.

Unser Haus ist selbst eine Station. Das ist ein bisschen unfair den neununddreißig anderen gegenüber, aber es steht nun einmal seit 1657 da und ist das älteste im Ort.

Der Rundgang lässt sich in zwei Stunden gehen oder über eine Woche verteilen. Beides funktioniert. Am besten fangt ihr am Marktplatz an und lasst euch treiben.

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