
Hundert Jahre und immer noch unterwegs
Am 22. und 23. August wird im Kirnitzschtal gefeiert, und zwar einem Straßenbahnwagen zu Ehren. Der Triebwagen 9 wird hundert. Er fährt immer noch, er rumpelt immer noch, und wer schon einmal in ihm gesessen hat, weiß, dass man hier nicht schnell vorankommt und das auch gar nicht will.
Die Kirnitzschtalbahn ist die letzte ihrer Art in Sachsen: eine Überlandstraßenbahn, die seit 1898 vom Kurpark in Bad Schandau hinauf zum Lichtenhainer Wasserfall fährt, sieben Kilometer am Bach entlang, mitten durch den Nationalpark. Kein Tunnel, keine Abkürzung, links Fels, rechts Wasser. Zum Jubiläum sind die historischen Wagen im Einsatz.
Angefangen hat der Neunziger übrigens gar nicht hier. Gebaut wurde er 1926, gefahren ist er zuerst unten bei Dresden auf der Lockwitztalbahn, und ins Kirnitzschtal kam er erst 1981. Seitdem gehört er hierher, als wäre er nie woanders gewesen.
Wenn ihr bei uns wohnt, ist der Weg dahin fast der schönste Teil. Von Krippen mit der Fähre über die Elbe, das dauert ein paar Minuten und kostet euch nichts weiter als einmal Aufstehen von der Bank am Anleger. Drüben in Bad Schandau lauft ihr am Ufer entlang bis zum Kurpark, dort steht die Bahn schon. Wer die ganze Strecke fährt, steigt oben am Lichtenhainer Wasserfall aus, isst etwas Labendes und lässt sich anschließend wieder huckepack zurücknehmen. Man muss dafür kein Bahnfan sein. Es reicht, wenn man Freude daran hat, langsam durch ein enges grünes Tal geschoben zu werden.
Einen Haken gibt es: an solchen Tagen ist die Bahn voll. Fahrt früh, dann habt ihr einen Fensterplatz und die Ruhe dazu. Welche Sonderfahrten zum Jubiläum genau fahren, steht bei der RVSOE unter rvsoe.de.
Der Weg von Krippen aus: mit der Fähre nach Bad Schandau, das sind wenige Minuten. Dann zu Fuß am Elbufer entlang zum Kurpark, etwa eine Viertelstunde. Die letzten Fährzeiten hängen am Anleger, ein Blick darauf lohnt sich vor der Rückfahrt.
Foto: Bybbisch94 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
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