
Krippen: vom Städtlein an der Elbe zum Kneippkurort
Am 28. April 1379 taucht Krippein zum ersten Mal in einer Urkunde auf, einer Verpfändung von König Wenzel von Böhmen. Der Ort war da längst da. Wie alt er wirklich ist, weiß niemand genau, aber der Name gibt einen Hinweis: Krippen gilt als slawisch, vermutlich abgeleitet vom Personennamen Krep, der Starke oder der Mutige.
Um 1200 kamen Bauern und Handwerker aus den Gebieten westlich der Saale. Sie trafen auf eine Bevölkerung, die schon da war, und es gab keine Stunde Null. Wie das Miteinander aussah, kann man an den Häusern ablesen: unten der slawische Blockbau, oben das fränkische Fachwerk. Das Umgebindehaus ist gebaute Integrationsgeschichte, auch wenn das damals sicher niemand so genannt hat.
Im 15. und 16. Jahrhundert war Krippen kein gewöhnliches Dorf. 1445 steht in den Akten Cruppyn, ein Stetchyn, 1548 das Stedtlein Krippen. Der Ort durfte zwei Jahrmärkte abhalten und trug das Segelschiff im Wappen. Verdient wurde am Elbhandel zwischen Böhmen und Meißen: Getreide, Holz, Salz, Steine. Dazu Schiffbau, Mühlen, Steinbrecherei und Brauerei.
Der Dreißigjährige Krieg kostete das Marktprivileg. Danach wurde wieder gebaut, und in diesen Bauboom fällt auch unser Haus, 1656/57 errichtet für einen Elbschiffer. Um 1800 erreichte Krippen dann eine zweite Blüte. Schiffbauer, Getreidehändler, Steinschiffer und Holzhändler bestimmten das Ortsbild, und man sieht es den Häusern bis heute an.
1813 kam Napoleon in die Nähe. Auf einem Erkundungsritt suchte er südlich von Krippen einen Weg über das Erzgebirge nach Böhmen. Er fand keinen, die Wege fehlten schlicht. Für den Ort war das Glück. Im selben Jahr floh ein anderer vor demselben Krieg genau hierher: Caspar David Friedrich.
Die Elbe gab und nahm. Das Hochwasser von 1845 stand bis zur Esse der Konsumfleischerei, 2002 und 2013 traf es den Ort erneut schwer. Durch Uferbegradigungen und Ausbaggerungen liegt der Wasserspiegel heute etwa zwei Meter tiefer als früher. Die Hochwassermarken im Ort erzählen das genauer als jede Chronik.
1837 fuhr mit der Königin Maria der erste Personendampfer auf der Elbe. Krippen musste bis 1900 auf eine eigene Anlegestelle warten. 1938 taufte man einen Dampfer auf den Namen Krippen. Die Steinbrüche schlossen, die Mühlen gaben auf, die letzte lief noch bis 1973. Was blieb, war die Landschaft, und die reichte.
Heute ist Krippen ein Ortsteil von Bad Schandau und staatlich anerkannter Kneippkurort. Ein Dorf mit Marktplatz, Kurstatus und rund vierzig erzählbaren Stationen. Für einen Ort dieser Größe ist das eine ordentliche Bilanz.
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